
Das Wichtigste vorweg
Korfu hat keine Wochenmarkt-Kultur wie Spanien, Italien oder Kreta. Wer auf der Insel nach dem klassischen Dorfmarkt sucht, der einmal pro Woche den Ortskern füllt, sucht meistens vergeblich. Es gibt genau einen echten, täglich arbeitenden Markt: die Städtische Markthalle in Korfu-Stadt, direkt an den Gräben der Neuen Festung. Sie öffnet montags bis samstags am frühen Morgen und schließt am frühen Nachmittag.
In Lefkimmi im Süden und in Acharavi im Norden gibt es keinen regelmäßigen Wochenmarkt, auch nicht sonntags oder freitags. Das bestätigen sowohl Einheimische als auch Reisende, die genau danach gesucht haben. Wer dort einkaufen möchte, findet Supermärkte, Bäckereien, Metzgereien und im Sommer gelegentlich Stände von Bauern am Straßenrand, aber keinen organisierten Markttag.
Was es stattdessen gibt, steht weiter unten: Hofläden, Ölmühlen mit Verkauf, Imkereien, Kumquat-Manufakturen und die Souvenirgassen der Altstadt.
Die Städtische Markthalle in Korfu-Stadt
Der Markt liegt unterhalb der Neuen Festung, in den ehemaligen Festungsgräben, Adresse Lochagou Spyridonos Vlaikou. Vom Neuen Hafen sind es wenige Minuten zu Fuß, von der Esplanade etwa zehn Minuten. Der Bus aus den Urlaubsorten hält in Laufweite.
Öffnungszeiten
Geöffnet ist montags bis samstags. Die Händler bauen ab etwa 6.30 Uhr auf, die beste Zeit liegt zwischen 7 und 11 Uhr. Gegen 14 Uhr leert sich der Markt, einzelne Läden bleiben bis in den Nachmittag. Sonntags ist geschlossen. Die Zeiten sind keine Behördenvorgabe, sondern Gewohnheit der Händler, im Winter und an Feiertagen kann es früher vorbei sein.
Für frischen Fisch gilt: möglichst vor 10 Uhr kommen. Danach ist das Beste weg.
Was es dort gibt
Der Markt ist kein Souvenirmarkt, sondern ein Versorgungsmarkt für Einheimische. Verkauft werden Fisch und Meeresfrüchte aus den umliegenden Gewässern, Obst und Gemüse der Saison, Oliven und Olivenöl, getrocknete Kräuter, Honig, Käse, Fleisch und Wurst sowie eingelegte und kandierte Spezialitäten. Zwei kleine Cafés im Marktbereich sind der beste Platz für einen Frappé und zum Zuschauen.
Das Marktgelände wurde Ende 2011 umfassend umgebaut. Seitdem gibt es feste Stände statt provisorischer Tische, was den Markt ordentlicher, für manche Besucher aber auch weniger malerisch gemacht hat.
Tipps für den Besuch
Bargeld mitnehmen, viele Stände nehmen keine Karte. Eine Stofftasche einpacken. Preise stehen meist an, gehandelt wird hier kaum, es ist ein Markt für den täglichen Bedarf. Wer gegen Mittag kommt, bekommt manchmal Restposten günstiger, vor allem bei leicht verderblichem Obst.
Warum es auf Korfu kaum Dorfmärkte gibt
Die Versorgung läuft auf der Insel traditionell anders. Viele Familien haben eigene Olivenbäume, Gemüsegärten und Hühner, den Rest deckt der Supermarkt oder der fahrende Händler ab, der in manchen Dörfern mit dem Kleinlaster vorbeikommt. Ein wöchentlicher Markt lohnt sich unter diesen Bedingungen nur in der Hauptstadt.
Was in Reiseführern und Blogs gelegentlich als Markt in Lefkimmi, Acharavi, Sidari oder Kavos auftaucht, ist in der Regel eines von drei Dingen: eine Reihe touristischer Souvenirläden an der Hauptstraße, ein größerer Supermarkt mit Obst- und Gemüseabteilung oder ein einmaliges Dorffest. Vor Ort fragt man am besten im Café nach, dort weiß man, ob gerade etwas läuft.
Was es saisonal tatsächlich gibt
Panigiria, also Dorffeste zum Namenstag der Ortskirche, bringen im Sommer Stände mit Süßigkeiten, Spielzeug und Kleinkram in die Dörfer. Termine erfährt man kurzfristig über Aushänge und lokale Facebook-Gruppen.
Im Winter finden in wechselnden Orten kleine Flohmärkte und Tischverkäufe statt, organisiert überwiegend von der ausländischen Wohnbevölkerung.
Vor Weihnachten und Ostern richtet Korfu-Stadt zusätzliche Verkaufsstände in der Innenstadt ein.
Einkaufen direkt beim Erzeuger
Wer echte lokale Produkte sucht, fährt besser zum Produzenten als auf die Suche nach einem Markt.
Olivenöl
Korfu ist von Olivenhainen überzogen, die Zahl der Bäume wird auf etwa vier Millionen geschätzt, die typische Sorte heißt Lianolia. Ein Großteil der Ernte ging historisch nach Italien und wurde dort abgefüllt. Inzwischen füllen mehrere Erzeuger selbst ab und öffnen ihre Mühlen für Besucher.
Bekannt ist The Governor’s Olive Mill in Agios Matheos im Südwesten der Insel, ein Familienbetrieb mit Führungen und Verkostungen. Kleinere Mühlen verkaufen ab Hof, Hinweisschilder an der Straße führen hin. Frisches Öl aus der laufenden Ernte gibt es ab Ende November.
Bio-Landwirtschaft am Korission-See
Der Bio-Bauernhof Bioporos bei Chalikounas am Naturschutzgebiet Korission-Lagune bewirtschaftet Gemüse, Obst und Olivenhaine biologisch und bietet Übernachtung, Hofbesuche und Verkauf an.
Kumquat
Die kleine Zitrusfrucht kam im 19. Jahrhundert während der britischen Zeit nach Korfu und wird bis heute fast ausschließlich hier angebaut. Sie wird kandiert, zu Marmelade und vor allem zu Likör verarbeitet. Produzenten mit Verkauf gibt es unter anderem in Nymfes und im Umland von Korfu-Stadt, Koum Kouat aus Korfu ist eine geschützte Herkunftsbezeichnung.
Honig, Käse, Wurst
Thymian- und Blütenhonig verkaufen Imker ab Hof, oft mit Schild an der Zufahrt. Beim Käse lohnt der harte, salzige Kefalotyri, der in der Küche die Rolle von Parmesan übernimmt, dazu die lokale Graviera. Nouboulo, luftgetrocknetes und leicht geräuchertes Schweinefilet, gibt es beim Metzger und an den Wursttheken der Markthalle.
Souvenirs und Mitbringsel
Die Gassen der Altstadt von Korfu-Stadt, die seit 2007 zum UNESCO-Welterbe gehört, sind faktisch ein durchgehender Basar. Zwischen Liston und Altem Hafen reihen sich Läden mit Schmuck, Lederwaren, Keramik, Olivenholz und Lebensmitteln.
Typische Mitbringsel:
Olivenöl aus der laufenden Ernte, am besten in der Blechdose, sie übersteht den Koffer besser als Glas.
Kumquat-Likör und kandierte Kumquats.
Thymianhonig aus lokaler Produktion.
Olivenholz, also Schalen, Bretter, Löffel, direkt aus dem Holz der Insel.
Kombolóia, die Perlenketten zum Spielen in der Hand, es gibt sie von günstig bis Sammlerstück.
Silberschmuck und Ikonen, hier lohnt der Preisvergleich zwischen mehreren Läden.
Griechische Ledersandalen, die sich vor dem Kauf unbedingt anprobieren lassen sollten.
In den Souvenirläden lässt sich oft noch etwas handeln, vor allem bei mehreren Stücken. In Lebensmittelgeschäften und Supermärkten gelten feste Preise.
Öffnungszeiten und Einkaufsgewohnheiten
Klassische griechische Ladenzeiten sehen montags bis samstags eine Mittagspause etwa zwischen 14 und 17 Uhr vor, danach ist bis etwa 21 Uhr geöffnet. In den Touristenorten und in der Altstadt halten sich viele Läden in der Saison nicht mehr daran und öffnen durchgehend, auch sonntags. Außerhalb der Saison und in den Dörfern gilt die Mittagspause weiterhin. Supermärkte öffnen meist von morgens bis abends.
Wer in der Nebensaison unterwegs ist, sollte damit rechnen, dass viele Geschäfte in reinen Urlaubsorten von November bis April geschlossen sind.
Transport und Rückreise mit Einkäufen
Flüssigkeiten wie Olivenöl und Likör gehören ins aufgegebene Gepäck, im Handgepäck sind sie nur bis 100 Milliliter erlaubt. Viele Händler verpacken Flaschen auf Wunsch in Luftpolsterfolie. Beim Gewicht des Koffers aufpassen, ein Fünf-Liter-Kanister Öl ist schneller ein Problem als gedacht. Für größere Käufe fragen manche Erzeuger einen Versand an, die Kosten liegen je nach Gewicht schnell über dem Warenwert.
Frische Lebensmittel wie Fisch oder Käse sind für den Rückflug nur bedingt geeignet, vakuumierte Ware hält die Strecke eher aus.
Antiquitäten: Vorsicht bei der Ausfuhr
Für die Ausfuhr von Antiquitäten und Kulturgütern aus Griechenland gelten strenge Regeln. Archäologische Funde dürfen grundsätzlich nicht in Privatbesitz übergehen und nicht ausgeführt werden. Für alte Ikonen, Münzen und andere Objekte von kulturellem Wert ist eine Genehmigung des griechischen Kulturministeriums nötig. Seriöse Händler kennen das Verfahren und stellen die Papiere aus. Wer ohne Genehmigung ausführt, riskiert Beschlagnahme und Strafverfahren. Im Zweifel besser die Finger davon lassen.
Häufige Fragen
Gibt es in Lefkimmi einen Sonntagsmarkt? Nein. Weder sonntags noch an einem anderen Tag findet in Lefkimmi ein regulärer Wochenmarkt statt.
Gibt es in Acharavi einen Wochenmarkt? Nein. Für Frischware fahren Einheimische und Urlauber aus dem Norden nach Korfu-Stadt oder kaufen im Supermarkt.
Wann ist der Markt in Korfu-Stadt am schönsten? Früh, zwischen 7 und 10 Uhr, wenn Fisch und Gemüse frisch ausliegen und die Einheimischen einkaufen.
Ist der Markt sonntags offen? Nein, sonntags ist geschlossen.
Kann man auf dem Markt handeln? Kaum. Feste Preise sind die Regel, Handeln ist eher in Souvenirläden üblich.
Hinweis: Öffnungszeiten und Angebote können sich kurzfristig ändern. Wenn Sie vor Ort andere Erfahrungen machen, schreiben Sie uns gern, wir aktualisieren den Artikel.